Bildung

Bildung ermöglicht dem Einzelnen die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und ist gesamtgesellschaftlich die Basis unseres Wohlstands. Allerdings sieht die neueste Bildungsstudie der OECD Deutschland als das Land mit der geringsten Studienneigung im internationalen Vergleich. Gleichzeitig lobt sie das weltweit einmalige System der dualen Berufsausbildung lobt, das schulische und praktische Elemente verbindet. Dennoch ist der Fachkräftemangel in Deutschland bereits heute Realität und soziale Mobilität und Integration sind zumindest in Teilen der Gesellschaft wenig ausgeprägt. Wesentliche Ansatzpunkte für Reformen sind frühkindliche und schulische Bildung sowie die Reduzierung des Anteils der Schulabbrecher und Personen ohne beruflichen Abschluss.

Ungleichheit ist ein Problem, mehr Umverteilung nicht die Lösung

Cremer, Eichenberger, Schneider,
Fratzscher, Niehues, Thomas

(20.09.2017) Soziale Gerechtigkeit und Ungleichheit werden gerade in Wahlkampfzeiten in der öffentlichen Debatte kontrovers diskutiert. Dabei wird die Schere zwischen Arm und Reich oftmals als sich immer weiter öffnend dargestellt. Jedoch liegt Deutschland – wie auch Österreich und die Schweiz – in Sachen Einkommensungleichheit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder und die Ungleichheit der Nettoeinkommen ist seit 2005 weitgehend unverändert geblieben. „Das Ausmaß an Ungleichheit ist deutlich geringer, als die Menschen meinen. Viele Deutsche denken, dass sich die meisten ihrer Mitmenschen im unteren Bereich der Gesellschaft befinden. Tatsächlich ist aber die Mittelschicht die größte Gruppe“, so Judith Niehues vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dennoch besteht in Deutschland Handlungsbedarf, insbesondere beim Zugang zu Bildung. Denn ein hohes Bildungsniveau ist wesentlich für individuellen Wohlstand wie auch für gesamtwirtschaftliches Wachstum. „Ungleichheit im Sinne ungleicher Bildungs- und Arbeitsmarktchancen ist ein Problem, mehr Umverteilung aber nicht die Lösung. Vielmehr sollte die Chancengleichheit bei Bildung und auf dem Arbeitsmarkt gestärkt werden, um die soziale Mobilität zu verbessern“, betont Marcel Fratzscher vom DIW Berlin. Besser als im Nachhinein wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe über Umverteilung zu erreichen, ist es, möglichst vielen Menschen Zugang zu eigenen Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen. Daher sollten Maßnahmen im Vordergrund stehen, die Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt fördern.

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ECONWATCH-Policy Brief Ungleichheit


Die Bildungsfinanzierung in Deutschland ist unsozial

(14.08.2014) Trotz leichter Verbesserungen waren auch die jüngeren Ergebnisse Deutschlands bei der Pisa-Studie der OECD aus dem Jahr 2012 mäßig. Strukturelle Reformen, die die Ursachen dieser Resultate angehen, sind bislang allerdings ausgeblieben. „In Deutschland wird die vorschulische Bildung nach wie vor zu einem Gutteil durch die Eltern finanziert, während die schulische und universitäre Bildung zum Großteil staatlich finanziert wird“, sagt Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie gegenüber ECONWATCH. „Das ist wenig zielgerichtet und unsozial“, betont Wigger. Einkommensschwache Familien sind finanziell oft nicht in der Lage, größere Summen für die frühkindliche Bildung aufzubringen. So bleibt die Türe zu späterem Bildungserfolg, der wesentlich von der frühkindliche Bildung abhängt, für die Kinder dieser Familien verschlossen. „Eine indirekte Förderung z. B. über die derzeitigen steuerlichen Freibeträge begünstigen hingegen nur Familien mit höheren Einkommen“, erklärt Wigger.

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ECONWATCH-Policy Brief Bildungsfinanzierung
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Schulfach Ökonomie muss endlich kommen!

Seeber

(09.12.2011) Ökonomische Bildung ist heute mehr denn je erforderlich, um als mündiger Arbeitnehmer, Konsument, Steuerzahler und nicht zuletzt als Wähler verantwortungsvoll handeln zu können. Wie wichtig fundierte ökonomische Kenntnisse sind, zeigt aktuell die europäische Staatsschuldenkrise. Obwohl sie jeden Bürger betrifft, haben viele große Probleme, sich eine fundierte Meinung über die diskutierten und vollzogenen Maßnahmen zu bilden. Und auch bei anderen wirtschaftspolitisch relevanten Themen ist das nicht anders. Ein Schulfach Ökonomie bundesweit an allgemeinbildenden Schulen würde allen Schülern in Deutschland ökonomische Zusammenhänge systematisch und wissenschaftlich fundiert vermitteln. Voraussetzung für den Lernerfolg wäre allerdings, dass deutschlandweit eine eigenständige akademische Ausbildung für Wirtschaftslehrer eingeführt wird und wissenschaftlich fundierte Schulbücher genutzt werden.

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ECONWATCH-Policy Brief Ökonomische Schulbildung


Zur sozialen (Im-)Mobilität in Deutschland

(04.08.2009) Die Einkommensverteilung ist in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre ungleicher geworden - seit 2007 wurde diese Entwicklung leicht korrigiert. Hauptgründe für die vormals gestiegene Einkommensungleichheit waren steigende (Langzeit-)Arbeitslosigkeit, neue Formen von Beschäftigungsverhältnissen, Einführung des Arbeitslosengeldes II sowie geänderte Lebensgewohnheiten. Der letzte konjunkturelle Aufschwung und die Arbeitsmarktreformen haben dafür gesorgt, dass 1,5 Millionen Arbeitslose und davon 500.000 Langzeitarbeitslose einen Job bekamen. Der Anteil der Personen in relativer Einkommensarmut war damit rückläufig. Um die Aufstiegschancen breiterer Bevölkerungsschichten zu erhöhen, sollte eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung ausgebaut werden. Dafür sollte die Subventionierung der tertiären Bildung zurückgefahren und Studienkredite sowie Stipendien ausgebaut werden.

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ECONWATCH-policy Brief Soziale (Im-)Mobilität in Deutschland